Rubrik:
Konferenzen, Tagungen
25.10.2019
Redaktion avldigital.de
14.10.2019
Aber über so etwas Unansehnliches wie die Arbeit sollten wir uns vielleicht noch einmal privat unterhalten! – Peter Rühmkorf Zeit seines Lebens hat Peter Rühmkorf sich damit befasst, wie der Dichter zum Geld und zum „Fressen“ kommt. So ist in einem seiner frühen Gedichte zu lesen: „Ich werde später Geld/ Aus meinen grausigen Visionen schlagen –/ Kommt, gebt mir was zu fressen, ich habe Hunger.“ Nach entbehrungsreichen Jahren in der Nachkriegszeit fasst Rühmkorf Fuß in der jungen Bundesrepublik, als Kabarettist, Dichter, Kritiker, Filmemacher, Gastdozent, Lektor und Intellektueller. Er ist etabliert, ohne ein Etablierter zu sein. Er wird mit Preisen bedacht, wenn auch spät (darunter der Georg Büchner Preis 1993), mit einer Werkausgabe beehrt und kanonisiert. Zu seinem vielleicht außergewöhnlichsten Projekt gehört die Arbeit Selbst III/88. Aus der Fassung , das die Entstehung eines einzigen Gedichts in all seinen Entstehungsphasen zu dokumentieren versucht. Am Ende steht ein fast 700 Seiten starkes Buch, radikal durchsichtig und zugleich rätselhaft. Es ist bis heute ohne Vergleich in der Literatur. Auch weil es sich traut, genau die einfachen Fragen zu stellen¸ die am schwersten zu beantworten sind: „Wie arbeitet ein Gedicht sich voran, und zwar in aller Bescheidenheit vom ersten Einfall bis zum allerletzten Schlußpunkt? Wie gliedert sich ein lyrischer Organismus in die Länge und Breite und nach welchen Gesetzen verketten sich die Assoziationen überhaupt zu einem gesammelten Ganzen?“ Ja, wie eigentlich? Und welche „Federzüge“, „Probierläufe“ und „Bauabfälle“ fallen an, wenn aus einem Einfall ein Wort, aus Worten Sätze, aus Sätzen Verse und aus Versen ein Gedicht wird? Zum 90. Geburtstag des in Dortmund geborenen Wahl-Hamburgers Peter Rühmkorf lädt der Lehrstuhl für Neuere deutsche Literatur der TU Dortmund gemeinsam mit dem Fritz-Hüser-Institut für Literatur und Kultur der Arbeitswelt zu einem Symposium ein. Das Thema stellt sich bei diesem Jubilar (fast) von selbst: Schreiben ist Arbeit – nur welche? FREITAG, 25.10.2019, 13.00 – 19.00 Uhr LITERATURHAUS DORTMUND| NEUER GRABEN 78 |44137 DORTMUND PROGRAMM 13.00 Uhr Martin Stingelin (Dortmund) Eröffnung, Grußworte 13.30-14.30 Uhr Hartmut Steinecke (Paderborn) „Selbst III/88 — Persönliches, Methodisches, Wünschenswertes…“ 14.30-15.30 Uhr Louisa Meier und Felix Latendorf (Berlin) „Selbst III/88 – Edition und Digitalisierung“ 15.30-16.00 Uhr Pause 16.00-17.00 Uhr Hans-Edwin Friedrich (Kiel) „Lyrik und Markt“ 17.00-18.00 Uhr Verena Paul (Saarbrücken) „Zwischen Himmelsplankton und Erdenstoff. Peter Rühmkorfs poetologische Reise zum guten Gedicht“ 18.00-18.15 Uhr Pause 18.15-19.15 Uhr Jan Bürger (Marbach) Sternschnuppen und Ausdruckskunst: Peter Rühmkorfs Nachlass im Deutschen Literaturarchiv Marbach als Spiegel seiner Einfallskunde 20.00 Gemeinsames Abendessen Die Veranstaltung bildet den Auftakt zur REIHE: EIN TAG, EIN WERK, EIN AUTOR.