Verlässliche Fremdheit, Öffentliche Abschlussveranstaltung der August-Wilhelm-von-Schlegel-Gastprofessur (FU Berlin)


Rubrik:
Konferenzen, Tagungen
Beginn:
08.02.2022
Beitrag von:
Redaktion avldigital.de
Forschungsgebiete

Ostasiatische Literatur, 

Lyrik allgemein, 

Übersetzung allgemein

, und 1 weitere

Erstellt am:
07.02.2022

VOR ORT, Dienstag, 8. Februar 2022 19:30 Uhr Eintritt frei mit Online-Ticket Öffentliche Abschlussveranstaltung im Rahmen der August-Wilhelm-von-Schlegel-Gastprofessur mit Karin Betz und Studierenden der Freien Universität Berlin Wann ist ein Text uns fremd? Und was daran ist fremd? Ausgehend von Beispielen der Übersetzung eines historisch, sprachlich und entstehungsgeschichtlich sehr „fremd“ anmutendem Werks wie dem chinesischen Buch der Wandlungen, widmete sich das Seminar der August-Wilhelm-von-Schlegel-Gastprofessorin Karin Betz vorrangig Fragen der Übersetzbarkeit von kulturspezifischen Begriffen und Ideen und dem Übersetzen als dynamische (An-) Verwandlungskunst. Außerdem wurde sowohl im Zusammenhang mit übersetzungstheoretischen Texten als auch an konkreten Übersetzungsvergleichen (vor allem chinesischer Lyrik) Thesen wie der vom „Mut zum übersetzerischen Verrat“ (Boris Buden) oder der „Translational Violence“ (Lawrence Venuti) diskutiert. Immer wieder müssen wir auch bei unseren eigenen Übersetzungen neu diskutieren, wie eine Übersetzung die Schritte von unzuverlässiger Fremdheit zu verlässlicher Fremdheit erfolgreich bewältigt. Und was ist mit der Persönlichkeit der Übersetzerin, des Übersetzers? Was und wie will ich übersetzen? In der Abschlussveranstaltung möchten wir diese Fragen auch anhand eigener Übersetzungsbeispiele aus unterschiedlichen Sprachen mit dem Publikum diskutieren.

Zukunftswissen – Literatur, Ruhr-Universität Bochum (Online)


Rubrik:
Konferenzen, Tagungen
Beginn:
24.02.2022
Beitrag von:
Redaktion avldigital.de
Forschungsgebiete

Ecocriticism, 

Literatur und Philosophie, 

Literatur und Naturwissenschaften

Erstellt am:
07.02.2022

Einladung zur Onlinetagung Zukunftswissen – Energie 24. & 25. Februar 2022, Ruhr-Universität Bochum, Germanistisches Institut Im Titel sind die beiden Schwerpunkte der Tagung angesprochen. Zunächst das Zukunftswissen: Als Gegenstand der Wissenschaft wirft es spezifische Problemstellungen auf, die, zumal im interdisziplinären Austausch, einer basalen Annäherung bedürfen. In diesem Sinne wird danach gefragt, wie und inwiefern Zukunftswissen den Kriterien wissenschaftlicher Validierbarkeit, möglichster Verallgemeinerbarkeit und zielführender Anwendbarkeit genügen kann. Den zweiten Schwerpunkt bildet die Energie, und zwar verstanden als Ressource. Es geht also um künftige Energiewirtschaft und damit um ein Spannungsfeld technologischer, gesellschaftlicher und umweltbezogener Fragen. Einerseits fungiert dies Thema als exemplarischer Rahmen, innerhalb dessen sich die theoretischen Ausführungen bewegen, andererseits als Testfeld für Reichweite und Grenzen der Leistungsfähigkeit von Zukunftsszenarien, Zukunftsbildern, Zukunftsentwürfen. Ein Unterthema bildet die Frage nach der Verknüpfbarkeit wissenschaftlicher und künstlerisch-fiktionaler Perspektiven. Zugrunde liegt hier die Beobachtung, dass etwa literarische Zukunftsfiktionen mitunter relevante Aufschlüsse über Künftiges geben können – weswegen seitens Wirtschaft und Militär bereits Pilotprojekte existieren, die praktische Nutzbarkeit erproben sollen. Die Referentinnen und Referenten stammen aus verschiedenen Fachbereichen und bringen teilweise Praxiserfahrung von außerakademischen Feldern ein. So soll im Rahmen der Tagung eine interdisziplinäre Perspektive entwickelt werden, und zwar sowohl theoretischer als auch angewandter Wissenschaft. Programm Donnerstag, 24. Februar 2022 9:45–10:10 Uhr Manuel Mackasare, Sebastian Susteck, Roland Span: Begrüßung und Einführung 10:10–10:50 Uhr Reinhold Popp (Wien): Prospektive Forschung auf dem Prüfstand. Grundlagen und Grundfragen 10:50–11:30 Uhr Michael Roos (Bochum): Welches Wissen können wir über die Zukunft haben und wie können wir es erzeugen? Mittagspause 12:15–12:55 Uhr Christian Neuhaus (Berlin): Das Bild der Zukunft in der Gegenwart 12:55–13:35 Uhr Meike Katharina Gallina (Augsburg): Zukunft im Mittelalter. Prognostik im Zeichen eschatologischen Aufschubs 13:35–14:15 Uhr Elke Seefried (Aachen): Die Geschichte der Zukunftsforschung: Der Wandel von Methoden und Erzählformen Kaffeepause 15:00–15:40 Uhr Armin Grunwald (Karlsruhe): Zur Geltung modellgestützter Energieszenarien. Ein hermeneutischer Versuch 15:40–16:20 Uhr Denis Newiak (Potsdam): Die Vorboten der Nachmoderne. Filmische Szenarien eines flächendeckenden Stromausfalls 16:20–17:00 Uhr Arndt Pechstein (Berlin): Mobility Reloaded. die Zukunft der Stadt neu gedacht Freitag, 25. Februar 2022 9:30–10:10 Uhr Christian Sinn (St. Gallen): Implizite Zukunftsreflexionen des 19. Jahrhunderts als ein möglicher Beitrag zu gegenwärtigen Fragen der Energiewirtschaft 10:10–10:50 Uhr Manuel Mackasare (Bochum): Zukunftswissen? Energie- und Klimaszenarien in literarischen Texten 10:50–11:30 Uhr Charlotte Coch (Köln): Science Fiction als formale Zukunftswissenschaft Mittagspause 12:15–12:55 Uhr Ulrich Fröschle (Dresden): Science Fiction und militärische Planspiele 12:55–13:35 Uhr Antonia Villinger (Bamberg): Kohletexte. Zukunftswissen in der Literatur 13:35–14:15 Uhr Björn Moll, Philipp Weber (Bochum): Energie, Ökonomie und ihre Simulationen. Juan S. Guses Miami Punk Kaffeepause 15:00–15:40 Uhr Gabriele Gramelsberger (Aachen): Prospektive Performanz. Versuch einer Philosophie der Prognostik 15:40–16:20 Uhr Elias-Johannes Schmitt, Stefan Schweiger (Bochum): Politische Wasserstoff-Alchemie oder konsistente Lösungsansätze der Energieprobleme? 16:20–17:00 Uhr Elmar Schüll (Salzburg): Die Zukunft als Ausflucht. Eine neo-institutionalistische Erklärung für klischeehafte Zukunftsbilder 17:00–17:45 Uhr Abschlussdiskussion und Verabschiedung Anmeldung Wegen der äußeren Umstände findet Zukunftswissen – Energie online statt, auf der Plattform „Zoom“. Gäste sind herzlich willkommen. Bitte melden Sie sich via E-Mail an: manuel.mackasare@rub.de

Schlaf in der Literatur. Zu Narratologie und Ästhetik einer alltäglichen Extremerfahrung vom Mittelalter bis zur Gegenwart, Frankfurt am Main


Rubrik:
Konferenzen, Tagungen
Beginn:
23.02.2022
Beitrag von:
Redaktion avldigital.de
Forschungsgebiete

Literaturtheorie, 

Erzähltheorie, 

Literatur und Philosophie

, und 11 weitere

Erstellt am:
04.02.2022

Interdisziplinäre Tagung der Goethe-Universität im Arkadensaal des Freien Deutschen Hochstifts (23.02.22–25.02.22) Als alltägliche Extremsituation impliziert der Schlaf irritierend-paradoxe Momente: Er ist eine Naturnotwendigkeit und doch zugleich eine dezidiert gesellschaftlich-kulturelle Praktik, ebenso wie er zwischen Kontrollverlust und therapeutisch-regenerativer Wirkung changiert (während Schlaflosigkeit gleichermaßen störend wie stimulierend wirkt). Auch die Literatur stößt hier an die Grenzen der Darstellbarkeit, weshalb Schlaf einen poetologisch-ästhetischen Test- und Grenzfall bildet. Im Gegensatz zum Traum ist er von der literaturwissenschaftlichen Forschung bislang kaum beachtet worden. Dieses Desiderat möchte die Tagung in der literaturgeschichtlichen Breite vom 12. bis ins 21. Jhd. mit germanistischer, komparatistischer und interdisziplinärer Perspektive beheben. Die Tagung findet entsprechend der 2G+-Regel in Präsenz statt, um Anmeldung ( schuster@lingua.uni-frankfurt.de / maximilian.wick@rub.de ) wird gebeten. Weitere Informationen finden Sie demnächst unter: www.uni-frankfurt.de/94597843/Aktuelles Programm: Mittwoch (23.02.2022) 13:15 Uhr: Begrüßung 13:45 Uhr: Christine Walde (Mainz): Versuch über den Schlaf in der römischen Literatur 15:00 Uhr: Jonathan Holst (Gießen): Wie die Wissenschaft vom Schlaf die Erzählung verabschiedete und sie doch nicht loswurde Dominic Angeloch (München): Auf der Schwelle. Der Schlaf und das Unheimliche 17:00 Uhr: Juliane Prade-Weiss (München): No Sleep in Dublin. Tradition und Pause in Joyces Ulysses Stefan Freund (Wuppertal) Gallo canente spes redit. Motive des Schlafens und Erwachens in der christlichen lateinischen Dichtung Donnerstag (24.02.2022) 10:00 Uhr: Franziska Wenzel (Frankfurt): Schlafen und Wachen. Zur Geschichte eines Übergangs oder wie das Tagelied zum taggeträumten Immortalitätsentwurf eines Dichters werden kann Michael Waltenberger (München): Zwischen Ermüdung und Hypervigilanz: Exemplarisches Erzählen von diabolischen Störungen der monastischen Disziplin 12:00 Uhr: Julius Herr (Köln): Der slape is tweerhande. Zum Schlaf des Heiligen am Beispiel des Sente Servas Heinrichs von Veldeke Mareike von Müller (Göttingen): Transgressiver Schlaf zwischen Heroik und Transzendenz im späten Mittelalter 15:00 Uhr: Maximilian Wick (Bochum): Höfische Vorkommnisse im Schlaf: Lanzelet, Flore, Tristan Nina Scheibel (Düsseldorf): Kontingenz und Liminalität. Zur narrativen Funktionalisierung des Schlafs in der mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Literatur 17:00 Uhr: Susanne Goumegou (Tübingen): Der Schlaf als Einfallstor des Teufels: Dämonologisches Wissen zu Schlaf und Ekstase in Frankreich um 1600 Ingo Uhlig (Halle / Berlin): Ökologie, Vulnerabilität, Erfindungsreichtum. Zum Aktionskreis schlafender Monaden bei Leibniz und in der Leibniz-Rezeption Freitag (25.02.2022) 10:00 Uhr: Joachim Jacob (Gießen): „Sie fühlt‘ es nicht, und schlummerte.“ Die schlafende Frau im empfindsamen Gedicht Reinhard Möller (Frankfurt): Figurationen des Schlafs bei Johann Karl Wezel und Jean Paul 12:00 Uhr: Jan Urbich (Leipzig / Braunschweig): Das Bildfeld des Schlafs in der Lyrik Hölderlins Manfred Koch (Basel): „Sie schlief die Welt“. Schlaf, Traum und subliminale Wahrnehmung bei R.M. Rilke 15:00 Uhr: Jörg Schuster (Frankfurt): „Wacht auf, denn eure Träume sind schlecht!” Schlaf(losigkeit) in der deutschsprachigen Nachkriegsliteratur Lena Wiesenfarth (Frankfurt): Don’t work, sleep! Der Traum vom Schlaf bei Ottessa Moshfegh 16:30 Uhr: Abschlussdiskussion

Übersetzung und Marginalisierung. Frühneuzeitliche Literatur aus intersektionaler Perspektive, Würzburg/hybrid


Rubrik:
Konferenzen, Tagungen
Beginn:
21.02.2022
Beitrag von:
Redaktion avldigital.de
Forschungsgebiete

Feministische Literaturtheorie, 

Literatur und Anthropologie/Ethnologie, 

Übersetzung allgemein

, und 2 weitere

Erstellt am:
04.02.2022

Übersetzungen sind ein omnipräsenter, aber oft unsichtbarer Teil des Alltags. Sie spiegeln und bestätigen die Normen der zielkulturellen Mehrheitsgesellschaft und ihrer machthabenden Instanzen, wohingegen Anliegen von Minderheiten unberücksichtigt bleiben und unkonventionelle, provozierende und konträre Positionen der Ausgangskultur ausgeblendet oder umgeschrieben werden. Diesen Zusammenhang zwischen Übersetzung und Marginalisierung in frühneuzeitlichen Übersetzungsprozessen will die Tagung ausleuchten, indem sie Menschen, Figuren und Gruppen in den Mittelpunkt rückt, die in doppelter oder mehrfacher Weise minderprivilegiert sind. Die Beiträge bieten dabei interdisziplinäre sowie internationale Perspektiven. Die Tagung findet als Hybridveranstaltung statt. Bitte melden Sie sich bei Interesse an einer Teilnahme (digital oder in Präsenz) bei jennifer.hagedorn@uni-wuerzburg.de . Weitere Informationen finden Sie unter: www.germanistik.uni-wuerzburg.de/mediaevistik/veranstaltungen/spp-2130-workshop-2022/ Wir freuen uns über Ihre Teilnahme! Programm: Montag, 21.02.2022 14.30–15.00 Regina Toepfer : Begrüßung und Einführung Moderation: Johannes Klaus Kipf 15.00–16.00 Susanne Knaeble : Soziokulturelle ‚Marginalisierung‘ und literarisches ‚Übersetzen‘ in Maeren des 15. Jahrhunderts – ein mediävistischer Versuch der Theoriebildung zur Intersektionalität 16.00–16.30 Kaffeepause 16.30–17.30 Lina Herz, Anika Meißner : Inklusives Übersetzen? Versuche zum Sprachtransfer in den Saarbrücker Prosaepen der Elisabeth von Nassau-Saarbrücken 17.30–18.30 Tina Terrahe: ‚Valentin und Namelos‘ II : Intersektionale Narrative in der mittelniederdeutschen Sammelhandschrift Stockholm, Königliche Bibliothek, Cod. Holm. VU 73 Dienstag, 22.02.2022 Moderation: Miriam Geißmar 9.00–10.00 Hilary Brown : Intersektionalität: Modewort oder Innovation für die feministische Übersetzungswissenschaft? 10.00–11.00 Jennifer Hagedorn : Die Vergehen der 12 Mägde. Verfahren der Intersektionalisierung von Dienerschaft und Sklaverei in den Homer-Übersetzungen von Simon Schaidenreisser (1537) und Johannes Spreng (1610) 11.00–11.30 Kaffeepause 11.30–12.30 Christian Schmitt :„Corydon en kan niet leven“. Marginalisierte Homoerotik in frühbarocken Adaptionen antiker Bukolik – am Beispiel von Daniël Heinsius 12.30–14.00 Mittagspause Moderation: Felix Herberth 14.00–15.00 Georg Strack : „Frawen sullen an ire manne, bruder adir getrawe geczugnis mit nichte czihen“ –Die Marginalisierung von Kreuzfahrerinnen in frühneuhochdeutschen Übersetzungen des 15. bis 17. Jahrhunderts 15.00–16.00 Sonja Kerth : Monstra übersetzen. Überlegungen zu relevanten Übersetzungen ins Frühneuhochdeutsche 16.00–16.30 Kaffeepause Moderation: Alyssa Steiner 16.30–17.30 Anna Piotrowska : Romani Culture as an example of ‚translative culture‘. Preliminary Observations 17.30–19.00 Pause 19.00–20.30 Podiumsdiskussion: „Wer darf übersetzen? Ein Gespräch über Sprache, Literatur und Identität“ Mit Kübra Gümüşay, Lothar Quinkenstein und Regina Toepfer, Moderation: Annkathrin Koppers Mittwoch, 23.02.2022 9.00–10.00 Elena Zup, Alexandra Chiriac : Die deutsche Deutung von Amerika in der rumänischen Fassung von Nicola Nicolau: Heinrich Campes „Entdeckung von Amerika“ als Beispiel von Wissens-und Ideologietransfer am Anfang des 19. Jahrhunderts Moderation: Joachim Hamm 10.00–11.00 Isabelle Stauffer : „Die Könige hätten bey die dreyssig Weiber“. Zur Darstellung indigener Völker in August Bohses Übersetzung von Les Voyages du Sieur Le Maire aux Isles Canaries, Cap-Verd, Senegal et Gambie (1695) 11.00–11.30 Kaffeepause 11.30–12.30 Julia Rebholz : Intersektionale Perspektiven auf Sklaverei und schwarzen Widerstand: Jean-François de Saint-Lamberts „Ziméo“ (1769) und F. G. v. Nesselrodes Zamor und Zoraide (1778) 12.30–13.30 Abschlussdiskussion Die Tagung wird ausgerichtet vom DFG-Projekt ‚Translationsanthropologie‘ des SPP 2130 ‚Übersetzungskulturen der Frühen Neuzeit‘

Workshop: Idiorrhythmie als narratives Konzept in Literatur und Kultur, Universität Tübingen, 2.-4.02.2022


Rubrik:
Konferenzen, Tagungen
Beginn:
02.02.2022
Beitrag von:
Quintus Immisch
Forschungsgebiete

Literatur aus Deutschland/Österreich/Schweiz, 

Literaturtheorie, 

Interdisziplinarität

, und 4 weitere

Erstellt am:
31.01.2022

In seiner Vorlesung Comment vivre ensemble folgt Roland Barthes 1976/77 der Frage: Wie zusammen leben ? anhand des Begriffs der Idiorrhythmie, der als ein „utopischer Sozialismus der Distanz“ individuelle Lebensgestaltung mit Gemeinschaftsbildung versöhnen soll. Dieses bislang in den Literaturwissenschaften erstaunlich wenig beachtete Konzept hält vielfältige Potentiale zur Untersuchung narrativer Phänomene und Figurationen bereit und wirft zugleich sozial- und kulturtheoretische Fragen der Gemeinschaft, der Zugehörigkeit und des Zusammenlebens auf. An dieser Flexibilität ansetzend, nimmt der Workshop Idiorrhythmie mittels theoretischer und konzeptueller Betrachtungen und Lektüren literarischer Texte als weitreichendes analytisches Werkzeug in den Blick. Der Workshop findet als Hybridveranstaltung im Neuphilologicum (Wilhelmstr. 50), Raum 215, und via Zoom statt. Bitte melden Sie sich bei Interesse bis 2.2., 12:00 Uhr, unter sara.bangert@uni-tuebingen oder quintus.immisch@uni-tuebingen.de an, um die Zugangsdaten zu erhalten. Wir freuen uns über Ihre Teilnahme! Programm 02.02.2022< 15:00: Arrival & Welcome/Ankunft & Begrüßung: SARA BANGERT/QUINTUS IMMISCH 15:30: Prof. Dr. THOMAS MACHO (IFK Wien): Idiorrhythmie und Synchronisation. Kultur- und ideengeschichtliche Anmerkungen 16:15: Coffee break/Kaffeepause 16:30: Dr. CHARLOTTE COCH (Universität Köln): Individuum/Kollektiv. Eine Systematisierung von Theorien des Rhythmos 17:15: Prof. Dr. NATHALIE MÄLZER (Universität Hildesheim)/Ass.-Prof. Dr. MARCO AGNETTA (Universität Innsbruck): Rhythmische Verschiebungen zwischen Original, Übersetzung und Bearbeitung< 03.02.2022 09:00: PD Dr. BORIS ROMAN GIBHARDT (FU Berlin): ‚Berührung von Zeit und Wort.‘ Über Rhythmus (West-Ost) 09:45: STAVROS PATOUSSIS (Universität des Saarlandes): Wie mit sich selbst leben? Zur Idiorrhythmie als Beschreibungskategorie für das Subjekt 10:30: Coffee break/Kaffeepause 10:45: DR. FLORIAN SCHMIDT (Universität Tübingen): „Musik-Mechanitis“? Idiorrhythmie und mechanische Musik in Literatur und Kultur 1900-1930 11:30: PD Dr. KAI VAN EIKELS (Ruhr-Universität Bochum): Familienzeitwerte 12:15: Lunch break/Mittagspause 13:30: SHIRA MIRON (Yale University): „Mannichfache Wege gehen die Menschen“ – Idiorrhythmie als Methode und Idee der Poesie in Novalis’ Die Lehrlinge zu Sais 14:15: GARY WETZ (Universität Basel): Die Verzögerung als Vollendung. Roland Barthes’ idiorrhythmische Zeichensetzung 15:00: Coffee break/Kaffeepause 15:15: JUSTINE BRISSON (Sciences Po Paris): Thinking the Utopian Community. A Comparison Between Barthes’ Idiorrhythmic Community and Foucault’s Homosexual Community 16:00: Prof. Dr. CHRISTIAN REFSUM (University of Oslo): Narrative, Musical and Social Rhythms in Virginie Despentes’ Vernon Subutex I-III 16:45: PHILIPP SPERNER (LMU München): A Perpetuity of Lesser Emptiness: The Social Space of the Postcolonial Small Town and Vinod Kumar Shukla’s Naukar kī kamīz 04.02.2022 09:00: STEPHAN FELDHAUS (Universität Würzburg): Die Literatur der Nachkriegszeit als Spiegel einer idiorrhythmischen Krisenzeit 09:45: MELANIE SCHNEIDER (Goethe-Universität Frankfurt a.M.): Von der Kunst, Durchgangsorte zu bewohnen – Idiorrhythmie und Verkehrssysteme in Sten Nadolnys Netzkarte (1981), Julio Cortázars und Carol Dunlops Autonauten auf der Kosmobahn (1983) und Steven Spielbergs Terminal (2004) 10:30: Coffee break/Kaffeepause 10:45: MARLENE REICH (New York University): Idiorrhythmien der Nacht: Rainald Goetz’ Rave 11:30: Dr. CHRISTIAN LUCKSCHEITER (HU Berlin): Idiorrhythmische Formen des Zusammenlebens in Peter Handkes Der Bildverlust oder Durch die Sierra de Gredos (2002) 12:15: Lunch break/Mittagspause 13:30: Dr. ALEXANDER SCHWIEREN (Freiburg i. Br.): Grenz-Erfahrung: Über das Zusammenleben in Lutz Seilers Roman Kruso (2014) 14:15: Closing Discussion/Abschlussdiskussion 15:00: Goodbye & Departure/Verabschiedung Die Veranstaltung wird von gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und dem Wissenschaftsministerium Baden-Württemberg im Rahmen der Exzellenzstrategie von Bund und Ländern.

“What is on Trial Here is the Yiddish Language”: The Making and Unmaking of Soviet Yiddish Literature


Rubrik:
Konferenzen, Tagungen
Beginn:
27.06.2022
Beitrag von:
Redaktion avldigital.de
Forschungsgebiete

Osteuropäische Literatur (Baltikum, Russland, Ukraine), 

Ostmitteleuropäische Literatur (Polen, Slowakei, Tschechien, Ungarn), 

Literaturgeschichtsschreibung (Geschichte; Theorie)

, und 1 weitere

Erstellt am:
31.01.2022

Annual conference of the “The Short Life of Soviet Yiddish Literature” 27 Jun 2022 – 29 Jun 2022 Venue: Leibniz-Institut für jüdische Geschichte und Kultur – Simon Dubnow, Goldschmidtstraße 28, 04103 Leipzig Organized by Jan Gerber (DI), Irina Kissin (ZfL), Sabine Koller (UR), Alexandra Polyan (UR), Matthias Schwartz (ZfL), Jakob Stürmann (DI), Yfaat Weiss (DI), Brett Winestock (DI) Contact: Matthias Schwartz (schwartz@zfl-berlin.org), Brett Winestock (winestock@dubnow.de) Research project(s): Historical Narratives in Soviet Yiddish Literature 2022 marks 70 years since the 1952 trial and execution of members of the Jewish Anti-Fascist Committee in the Soviet Union in what has come to be known as the “Night of the Murdered Poets.” Those poets, and other figures who were executed, had enjoyed state support in the 1920s and survived the Stalinist terror of the 1930s, but the changes in nationalities policy in a Soviet Union which was becoming increasingly Russocentric resulted in a number of anti-Jewish purges after the war. Many of the trumped-up charges at the trial included “promoting nationalism” by simply looking out for Jewish interests in the Soviet Union, or merely by continuing to write in Yiddish—to the point where one of the defendants, Solomon Lozovsky, ultimately concluded that “what is on trial here is the Yiddish language.” It is not surprising that the most famous defendants were writers, as literature had played an outsized role in the forming of Soviet Yiddish culture and society. Taking the events of 1952 as a starting point, the Dubnow Institute will host a conference in Leipzig, Germany from the 27th to the 29th of June 2022 to probe some of the tensions which characterized Soviet Yiddish literature, including questions of belonging and the relationship between universalism and particularism. The conference is based on the work of The Short Life of Soviet Yiddish Literature research group, an interdisciplinary partnership between scholars of the Leibniz Institute for Jewish History and Culture – Simon Dubnow (DI) , the Leibniz-Zentrum für Literatur- und Kulturforschung (ZfL), and the Professorship for Slavic Jewish Studies at the University of Regensburg (UR) , which is funded for a period of three years by the Leibniz Collaborative Excellence program of the Leibniz Competition 2020. The projects of the research group focus on poets, writers, and cultural figures who were engaged both personally and artistically in the tensions between tradition and modernity, between Jewish affiliation and the affirmation of the creation of a “new” Soviet human. Their life stories and works are explored against the backdrop of revolution, civil war, and emigration, as well as the experience of Stalinism, World War II, and the Holocaust. The presentations will touch directly on the events and protagonists of the trial itself, along with those which deal with the prior emergence and construction of Soviet Yiddish literature and culture since the October Revolution, as well as with its “afterlife”—the survival and continuation of Soviet Yiddish literature in the years after 1952. With a keynote lecture by Harriet Murav (University of Illinois).

Freistätte #4: Autotheorie und Literaturwissenschaft


Rubrik:
Konferenzen, Tagungen
Beginn:
11.02.2021
Beitrag von:
Jonathan Schmidt-Dominé
Forschungsgebiete

Literatur aus Nordamerika, 

Französische Literatur, 

Osteuropäische Literatur (Baltikum, Russland, Ukraine)

, und 4 weitere

Erstellt am:
31.01.2022

Datum: Freitag, 11. Februar, 14-19h Anmeldung unter matani@lingua.uni-frankfurt.de Die Freistätte #4: Autotheorie und Literaturwissenschaft widmet sich der Austestung der Thesen, „Literaturwissenschaft sei autotheoretisch“ bzw. „Jede(r) Literaturwissenschaftler*in untersuche im Endeffekt sich selbst“ und untersucht die diesen Thesen zu Grunde liegenden Prämissen. Einerseits geht es uns darum, die autotheoretischen Dimensionen von bereits existierenden literaturwissenschaftlichen Werken zu erschließen. Besonders aufschlussreich erscheinen aus dieser Perspektive die Fälle von solchen Autorinnen und Autoren wie Roland Barthes, Julia Kristeva oder Eve Kosofsky Sedgwick zu sein, deren akademische Werdegänge in einem kanonischen Feld begannen, bevor diese Theoretiker*innen institutionell bei ihrem autotheoretischen Schreiben unterstützt wurden. Die Autotheorie lässt uns denken, dass akademisches Schreiben weder einen Meister-Diskurs noch ein „transparentes Medium“ darstellt, sondern einen eigenständigen Untersuchungsmodus, in dem der Prozess der Sinngebung mit dem Schreiben einhergeht und der eng mit dem Zuhören, Interpretieren und Berichten verbunden ist. Vor diesem Hintergrund stellt sich fast unmittelbar die Frage: Was haben akademische Diskurse, die die Stimmen der Anderen zu ihrem Gegenstand haben und sich von diesen Stimmen zwangsläufig ansprechen lassen, den Anderen zu bieten? Mit anderen Worten: Was für ein Wissen produziert ein(e) (auto)theoretisierende(r) Literaturforscher*in und welcher Unterschied besteht zwischen dem literaturwissenschaftlichen Wissen und dem Wissen, das Literatur über sich selbst hat und in Form von Symptomen, autoreflexiven Strategien, Ironie und „Fluchtlinien“ (Deleuze) zur Schau stellt? 14.00–14.30: Judith Kasper / Anna Iakovets: Grußwort und Einführung 14.30–15.15: Jan Wilm: Roland Barthes par Jan Wilm 15:15–16:00: Caroline Sauter: Liebessprache und Autotheorie bei Julia Kristeva und Roland Barthes 16:00–16:30: Pause 16:30–17:15: Maren Scheurer: Autographics als Autotheory: Zu Alison Bechdels Graphic Memoirs 17:15–18:00: Holger Brohm: Bücher der Unruhe. Nächtliches Schreiben bei Marina Benjamin und Haytham El Wardany 18:00–18:45: Anna Iakovets: Grausamkeit der Autotheorie: Der Fall von Wiktor Schklowski 18:45–19:00: Schlussdiskussion

Bibelepik. Narratologische Perspektiven auf eine europäische Tradition (Online)


Rubrik:
Konferenzen, Tagungen
Beginn:
14.02.2022
Beitrag von:
Redaktion avldigital.de
Erstellt am:
28.01.2022

Die von Prof. Dr. Albrecht Hausmann (Oldenburg) und PD Dr. Anja Becker (München) veranstaltete Tagung findet vom 14.-16. Februar 2022 online über Zoom statt. Gäste sind herzlich willkommen. Anmeldungen bitte an herausgeber@erzaehlforschung.de . Die Konferenz, die zugleich eine Veranstaltung der Online-Zeitschrift ›Beiträge zur mediävistischen Erzählforschung‹ ist, untersucht die literarische Tradition der Bibelepik in ihrer europäischen Dimension, in diachroner Perspektive und mit den Mitteln der historischen Narratologie. Nähere Informationen unter http://www.erzaehlforschung.de . Programm: Montag, 14. Februar 2022 14:30 Prof. Dr. Albrecht Hausmann (Oldenburg) / PD Dr. Anja Becker (München): Begrüßung und Einführung: „Narratologische Perspektiven auf eine europäische Tradition“ Sektion 1: „Erzähltechniken“ – Moderation: Martin Sebastian Hammer, M.Ed. (Wuppertal) 15:00 Prof. Dr. Ute Eisen (Gießen): Die Erzähltechnik im Lukasevangelium und im Johannesevangelium im Vergleich 15:45 Kaffeepause (Breakout-Sessions) 16:15 PD Dr. Thomas Kuhn-Treichel (Heidelberg): Erzähler, Figuren und Gott: die ‚Alethia‘ des Claudius Marius Victorius als Beispiel für Nutzen und Grenzen narratologischer Kategorien 17:00 Lilli Hölzlhammer, M.A. (Uppsala): Die Kunst zu kürzen: ‚Dichte Beschreibung‘ in der byzantinischen biblischen Verserzählung ‚Tetrasticha‘ von Theodoros Prodromos 17:45 Möglichkeit des informellen Austausches über wonder.me Öffentlicher Abendvortrag – Moderation: Prof. Dr. Doreen Brandt (Oldenburg) 19:30 Prof. Dr. Henrike Lähnemann (Oxford)/Dr. Andrew Dunning (Oxford): Ostern erzählen. Live-Präsentation der Medinger Handschriften aus der Bodleian Library (zugleich Oldenburger Universitätsvortrag) Dienstag, 15. Februar 2022 Sektion 2: „Eine europäische Tradition“ – Moderation: Dr. Britta Bußmann (Oldenburg) 9:00 PD Dr. Klaus Kipf (München): reckean that girûn i. Erzählverfahren in der karolingischen volkssprachigen Bibelepik (‚Heliand‘ und Otfrid von Weißenburg) 9:45 Prof. Dr. Sabrina Corbellini (Groningen): Quattuor Unum: Medieval Italian Gospel Harmonies 10:30 Kaffeepause (Breakout-Sessions) 11:00 Dr. Margriet Hoogvliet (Groningen): Manuscripts, readers, and reading practices of the ‘Roman de Dieu et de sa mere’ (c. 1150) by Herman de Valenciennes 11:45 Jun.-Prof. Eva von Contzen (Freiburg i. Br.): Netz und Raum: Kataloge in der englischen Bibelepik 12:30 Mittagspause Sektion 3: „Bibelepik im hohen und späten Mittelalter“ – Moderation: Prof. Dr. Henrike Manuwald (Göttingen) 14:30 Prof. Dr. Elke Koch (Berlin): Erzählen oder/als Predigen. Wunder in mittelhochdeutscher Bibelepik 15:15 Prof. Dr. Katharina Philipowski (Potsdam): Können Figuren der Bibelepik transtextuell sein? 16:00 Kaffeepause (Breakout-Sessions) 16:30 Ass.-Prof. Rabea Kohnen (Wien)/Caroline Fußbach, M.A. (Bochum): Deutendes Erzählen – erzählendes Deuten. Das ‚Hohelied‘ Bruns von Schönebeck als literarischer Grenzfall ab 17:15 Möglichkeit des informellen Austausches über wonder.me Mittwoch, 16. Februar 2022 Sektion 4: „Bibelepik in der frühen Neuzeit“ – Moderation: Prof. Dr. Bruno Quast (Münster) 9:00 Prof. Dr. Astrid Lembke (Mannheim): Das spätmittelalterliche ‚Schmuelbuch‘ und verwandte jiddische Bibelepik 9:45 Prof. Dr. Kai Bremer (Osnabrück): „Die Christ-Erstehung ward von Weibern anvermeldt.“ Zum Verhältnis von Bibelepik und christlicher Lehrepik 10:30 Kaffeepause (Breakout-Sessions) 11:00 Dr. Hans Kienhorst (Nijmegen): „Eine Geschichte von bleibendem Wert, für Mutter und Kind“: (Wissenswertes über) das mittelniederländische Gedicht ‚Van den levene ons heren‘ nach der Utrechter Handschrift 1329 11:45 PD Dr. Anja Becker (München)/Prof. Dr. Albrecht Hausmann (Oldenburg): Abschlussdiskussion 12:30 Ende der Tagung Gefördert aus Mitteln des Niedersächsischen Vorab

Internationale Tagung: Kulturen der Kritik und das Projekt der Moderne in Ostmitteleuropa, Düsseldorf


Rubrik:
Konferenzen, Tagungen
Beginn:
11.11.2022
Beitrag von:
Redaktion avldigital.de
Forschungsgebiete

Literatur aus Deutschland/Österreich/Schweiz, 

Ostmitteleuropäische Literatur (Polen, Slowakei, Tschechien, Ungarn), 

Literaturgeschichtsschreibung (Geschichte; Theorie)

, und 5 weitere

Erstellt am:
28.01.2022

Einleitung Die internationale Tagung Kulturen der Kritik und das Projekt der Moderne in Ostmitteleuropa wurde vom Max-Herrmann-Neiße-Institut, einem An-Institut der Philosophischen Fakultät der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, von Prof. Dr. Sibylle Schönborn und Dr. Simone Zupfer im Haus der Universität vom 11. bis 13. November 2021 ausgerichtet. Anlass für diese Tagung boten der achtzigste Todestag Max Herrmann-Neißes und das Erscheinen der kritischen Edition seines publizistischen Werks (1909–1939) in drei Bänden im Aisthesis-Verlag. Vorträge Volker C. Dörr (Düsseldorf) rekurriert zu Beginn seines Vortrags Komplexitätskompensationskompetenz: Was kann eine gute Literaturkritik eigentlich wirken? auf die orientierende Leistung der Literaturkritik angesichts der schon aus quantitativen Gründen bestehenden Unüberschaubarkeit des Buchmarkts. Ein qualitatives Orientierungsproblem hingegen resultiere aus der Ausdifferenzierung des autonomen Kunstsystems um 1800. Seitdem entscheide sich die Frage der Zugehörigkeit zur Kunst, so Dörr im Anschluss an Plumpe und Werber, über die Leitdifferenz interessant vs. uninteressant. Die Kategorie des Interessanten spielt bereits bei Friedrich Schlegel explizit eine wesentliche Rolle, allerdings nicht als positive Größe. Vielmehr mokiert Schlegel sich über das Streben nach dem Neuen, dem Individuellen und damit bloß Interessanten. Ziel einer anzustoßenden Entwicklung kann nicht dessen Weiterentwicklung sein, denn das Interessante wird nur als Vorbereitung für das höchste Schöne verstanden. Daran anschließend stellt Dörr die Frage nach möglichen Implikationen für die Literaturkritik der Gegenwart. Wenn sich Schlegel zufolge die Kritik am Ideal des jeweiligen Kunstwerks orientieren soll, scheine daraus zu folgen, dass das Ideal der Kritik außerhalb ihrer selbst, nämlich im kritisierten Werk liege. Dies stünde aber im Widerspruch dazu, dass die Kritik, analog zum Kunstwerk, selbst individuell sein muss. Der Ausweg besteht Dörr zufolge darin, dass das Ideal des Kunstwerks in seiner Kritik allererst dar- und das heißt, individuell hergestellt werde. Dadurch, dass die Kritik auf individuelle Weise das Individuelle des Kunstwerks ausstelle, leiste sie zwar, so Dörr, zur Orientierung kaum mehr als eine „emphatische Deixis“ auf das Werk. Indem dabei aber alle anderen Werke in den „Schatten des Schlaglichts“ gestellt werden, finde eine Kompensation der aus Kontingenz resultierenden Komplexität durch Ausstellen der Kontingenz statt. Andererseits werde die Komplexität der Kontingenz dadurch ausgehalten, dass die komplexitätsreduzierende einzelne Kritik ihrerseits wieder dem komplexitätssteigernden Widerspruch ausgesetzt wird. Hieraus ergebe sich auch das Potential der Literaturkritik, etwa an gesellschaftlich relevante Debatten anzuschließen – oder solche Debatten überhaupt erst anzustoßen. Hermann Haarmann (Berlin) geht in seinem Vortrag Fortan ist zu sagen: Dichtung zerfällt in Epik, Lyrik, Dramatik und Kritik von der These aus, dass Alfred Kerrs Auffassung von Kritik als eigenständige Gattung in der Tradition der Romantik mit ihrem Protagonisten Friedrich Schlegel stehe. Kritik verstehe Kerr daher als Nachschöpfung eines Werks, bei der es auf das Enthüllungsvermögen und die sprachliche Sensibilität des Kritikers ankomme. Mit seiner Maxime, dass nur derjenige Kritiker sein kann, der zugleich Künstler ist, könne Kerr aber eben jene Distanz, die er für einen objektiven Bericht und eine distanzierte Reflexion benötigt, nicht immer einhalten. Dies zeige sich vor allem in seinen Rezensionen über die junge Theateravantgarde der Weimarer Republik wie im Falle von Bertolt Brecht, den er aufgrund seiner Orientierung auf die Bühnenkunst des Naturalismus weitgehend ablehnte. Zwischen 1909 und 1939 verfasst Max Herrmann-Neiße eine Vielzahl von Literatur-, Theater- und Kabarettkritiken. Sibylle Schönborn (Düsseldorf) präsentierte in ihrem Vortrag die Transformation, die der Kritiker dabei durchlief. Dabei stellt sie drei aufeinander aufbauende Phasen dar. ‚Kritik als Dichtung‘ – so benennt sie die erste Phase, in der Herrmann 316 Rezensionen veröffentlichte, die vor allem in frühexpressionistischen Zeitschriften publiziert wurden. Diese Phase stehe im Zeichen Alfred Kerrs, Kurt Hillers und einem von der Romantik geprägten ästhetischen Kritikverständnis. Herrmann verstehe sich in dieser frühen Phase als Dichterkritiker und bringe eine produktionsästhetisch orientierte Kritik hervor, die vor allem an seine Dichterkollegen adressiert sei. Die zweite Phase bezeichnet Schönborn als ‚wirkungsästhetisch engagierte Kritik‘: Mit dem Ersten Weltkrieg setzt Herrmanns Politisierung ein, die sich auch in seiner Kritik niederschlage. Der Kritiker engagiert sich nun prominent in der von Pfemfert herausgegebenen Zeitschrift Die Aktion. Sein Interesse gilt jenen Autorinnen und Autoren, darunter u.a. Carl Sternheim, Leonhard Frank, Joseph Roth oder Else Lasker-Schüler, die in ihren Werken eine soziale, pazifistische, antinationale und antirassistische Haltung erkennen ließen. In der dritten Phase seiner Kritikertätigkeit, die Herrmanns späte Kritiken bis in die 1930er charakterisiert, trete er vermehrt als Vermittler zwischen dem Zentrum und den östlichen Peripherien des Deutschen Reiches sowie zwischen einer sozial engagierten europäischen bzw. Welt-Literatur auf. Herrmann entwerfe eine Bibliothek der Weltliteratur, die für eine allgemeine Menschlichkeit stehe. Damit gründe der Kritiker einen neuen Kanon, der von der Idee der Transnationalität und Transkulturalität geprägt sei. Christine Magerski (Zagreb) befasst sich in ihrem Vortrag mit der transkulturellen Zirkulation literarischer Erneuerungsideen – genauer: mit der Dynamik der Avantgarde in Mitteleuropa – und hinterfragt, welche Rolle Literatur- und Kulturkritik bei diesen Austauschbewegungen einnehmen kann. Magerski betrachtet den Prozess der Aneignung und Weiterentwicklung der avantgardistischen Programmatik am Beispiel der Zeitschrift Zenit, die zwischen 1921 und 1926 erschien. Literarische Bewegungen, so Magerski, benötigen Medien, über die der transkulturelle Kommunikationsprozess ablaufen kann. Die Zeitschrift fungiere demnach als Beobachtungs- und Vermittlungsinstanz zweiter Ordnung, zugleich auch als Medium der Kritik. Besonders Akteure in peripheren Räumen und Grenzgebieten würden sich aufgrund ihrer Mehrsprachigkeit – und damit der Fähigkeit zur Übersetzung und Vermittlung – besonders gut dafür eignen, um mögliche transkulturelle Kontakte zu beobachten und zu fördern. Mit dem Ziel, sich europäisch zu etablieren, ist Zenit multilingual gestaltet, und es werden drei Kultursysteme, das jugoslawische, deutsche und russische, bedient. Zugleich ist es Ziel der Zeitschrift, die westeuropäischen Gesellschaften durch Provokation in Aufruhr zu versetzen. Dazu hätten die Herausgeber u.a. den Balkan ins Zentrum gerückt, der von der westeuropäischen Mehrheitsgesellschaft eher mit negativen Attributen assoziiert wurde. Der Balkan wird hier hingegen als Brücke begriffen, über die Kulturaustausch stattfinde. Darüber hinaus verstanden die Herausgeber die Beiträge der Zeitschrift als Forum, mit dem sich die verschiedenen literarisch-avantgardistischen Strömungen beobachten und diskutieren ließen und damit eine engere Vernetzung mit den europäischen Zentren der Avantgarde möglich wurde. In seinem Vortrag Professorenkritik. Rezensierende Literaturwissenschaftler der Weimarer Republik geht Jochen Strobel (Marburg) der Frage nach, welche Besonderheiten die Literaturkritik von Literaturwissenschaftlern auszeichnet. Dabei richtet Strobel den Blick beispielhaft auf das frühe 20. Jahrhundert und hinterfragt, warum gerade die 1920er Jahre nicht zur Hochphase der Professorenkritik wurden, wenngleich sie durch die Befreiung von positivistischen Zwängen einen freieren Zugang zum Werk ermöglichten. Gegenwartsliteratur wurde unter anderem von Wilhelm Scherer und seinen Schülern Erich Schmidt und Richard Moritz Meyer rezensiert. Scherer habe es bevorzugt, bekannte und bedeutende Autoren zu besprechen, mit denen er gemeinsam am literarischen Leben Berlins partizipierte. Meyer steht hingegen für den Umbruch, in dem theoretische Absicherung im Rezensionswesen gefordert war. Ein genauerer Blick wird in dem Vortrag auf zwei weitere Schüler Erich Schmidts geworfen, deren literaturkritische Verfahren völlig unterschiedlich waren: Arthur Eloesser, ein deutsch-jüdischer Germanist und Theaterkritiker, dessen akademische Laufbahn scheiterte und der Thomas Manns Werk literaturkritisch – jedoch ohne wissenschaftlichen Anspruch – begleitet hat. Als Kontrastfigur wird der Neugermanist Oskar Walzel vorgestellt, für den das Nacherleben und die Lebensnähe vorrangig gegenüber dem Verstehen des Werkes seien. An Walzels Kritiken zu Thomas Manns Werk werde jedoch deutlich, dass er sich ebenfalls nicht weit vom Werk hatte lösen können. Abschließend stellt Strobel den Romanisten und Essayisten Ernst Robert Curtius vor, dessen publizistisches Werk ein klares politisches Bekenntnis aufzeige und der mit der Absicht Rezensionen verfasst habe, die deutschsprachigen Leserinnen und Leser mit der Literatur anderer Sprachen vertraut zu machen. Im Fazit seines Vortrages weist Strobel auf einen Widerspruch hin: Die Geistes- bzw. Stil- und Formgeschichte in der Germanistik der 1920er Jahre eröffnet zwar die Möglichkeiten für den Übergang von Wissenschaft zu Literaturkritik. Dass dieser jedoch nicht breiter genutzt wird, liegt möglicherweise am wissenschaftlichen Selbstverständnis der Professoren. Heinrich Kaulen (Marburg) befasst sich in seinem Vortrag mit der Literaturkritik der 1920er Jahre und stellt einleitend die Parallelen und Divergenzen zwischen den Literaturkritikern Max Herrmann-Neiße und Walter Benjamin sowie deren literaturkritische Absichten heraus. Herrmann, dessen Selbstverständnis an Alfred Kerr und Kurt Hiller angelehnt war, habe seine Kritiken ganz offen subjektiv wertend verfasst und verstand die Literaturkritik als eigenständige vierte Gattung. Seine Kritiken ließen sich als solidarisch einordnen. Dem gegenüber stehen die Kritiken Walter Benjamins. Auch für ihn ist die Literaturkritik eine eigenständige Gattung, aber keine Unterform der Poesie, sondern die „erhobene Mitte“ zwischen Kunst und Wissenschaft. Mit seiner Literaturkritik stehe er damit Herbert Ihering und Bertolt Brecht näher, als Vorbild sehe er Karl Kraus an, dessen argumentative Technik – seine Kontrahenten durch deren eigene Zitate zu überführen – er übernommen und weiterentwickelt habe. Was Benjamin unter der interkulturellen Funktion von Literaturkritik verstehen will, skizziert Kaulen anhand von Benjamins Polemik gegen Fritz von Unruhs Frankreichbuch und seiner Funktion als öffentliche Person. Polemik als Stilmittel dient zum einen dem Aufmerksamkeitsgewinn, zum anderen der Konturierung der eigenen Position im publizistischen Feld, in dem Benjamin sich als Kritiker zunächst einen Namen machen musste. Im Gegensatz zu Herrmann wende er sich damit vom Feuilletonismus ab, der auf subjektiven Erlebnissen und Urteilen beruhe. Gemein sei Herrmann und Benjamin jedoch, dass sie unabhängig voneinander und auf verschiedene Weisen das Ziel eines transnationalen Kulturtransfers verfolgt hätten. Dabei verstehen und inszenieren sie Literaturkritik, so Kaulen, als Vermittlungsinstanz zwischen verschiedenen Kulturen, Sprachen und Literaturen. Sophia Buck (Oxford) stellt Walter Benjamin als Kritiker interkultureller Vermittlungsprozesse vor. Dazu ordnet sie zunächst Benjamins Interesse an Transnationalität und Kritik zeitlich in die 1920er Jahre ein. Vor allem in der zweiten Hälfte dieses Jahrzehnts habe Benjamin sich in einem transnationalen Spannungsfeld des sowjetischen und westeuropäischen Kulturraumes bewegt. Letzteres wird durch seine Aufenthalte sowie intellektuellen Netzwerke zu Emigrantinnen und Emigranten in Moskau, Berlin und Paris und sein Interesse für international orientierte Zeitschriften, Reiseberichte und (sowjetische) Freundschaftsvereine in Westeuropa abgesteckt. In seinen Kritiken, Rezensionen und Feuilletonberichten werde Benjamin dabei zum Beobachter von Texten und Akteuren, die für sich selbst die Absicht formulieren, zwischen verschiedenen Kulturräumen zu vermitteln. Als Beispiel hierfür dient Benjamins Rezension, die 1929 in Die literarische Welt erschien, und den emigrierten Akademiker Nicolai von Arseniew und dessen russisch-orthodoxe Literaturgeschichte Die russische Literatur und Gegenwart in ihren geistigen Zusammenhängen zum Gegenstand hat. Benjamins polemische Kritik richtet sich einerseits gegen Arseniews Darstellung als eine von religiösen Dogmen geprägte Literaturvermittlung und andererseits gegen die deutschen institutionellen Voraussetzungen im Verlagswesen und der Universität. In Benjamins Rezension Drei Bücher des Heute, die die Werke von Viktor Shklovski, Alfred Polgar und Julien Benda trianguliert, werde Benjamins eigenes Verständnis davon deutlich, welche Bedeutung Transnationalität und Interkulturalität für die Selbstreflexion des Intellektuellen haben. Er erprobt darin eine Politisierung der Kritikertätigkeit, in der europäisch interkulturelle Wechselbeziehungen mit einer soziohistorischen und selbstreflexiven Standortbestimmung zusammenfallen. Die linksgerichtete kulturpolitische Breslauer Halbmonatszeitschrift Die Erde , herausgegeben von Walther Rilla, steht im Zentrum des Vortrages von Simone Zupfer (Düsseldorf). Sowohl auf Rilla als auch auf seine Zeitschrift wendet Zupfer das Verfahren der Netzwerkanalyse und Feldtheorie an, mit dem Beziehungen zwischen den verschiedenen literarischen Akteuren sichtbar gemacht werden sollen. Dabei versteht sie Literaturkritik als Verhandlung der Avantgarde über die Literatur der Moderne. Es handele sich mithin um eine Rekonstruktion transnationaler Netzwerke bzw. transkultureller Kontakte der Schriftstellerinnen und Schriftsteller bzw. Übersetzerinnen und Übersetzer untereinander, die es möglich machen, ästhetische, weltanschauliche und literaturstrategische Wirkungszusammenhänge zu erschließen. Mit ihrem Verfahren stellt Zupfer heraus, dass die in der Erde publizierenden Autorinnen und Autoren, neben Rilla selbst, aufgrund ihrer peripheren Herkunft die Geschehnisse des Literaturbetriebs aus einem anderen Blickwinkel wahrnehmen. Auch die Beziehung zwischen Rilla und Max Herrmann-Neiße wird hervorgehoben: 1919 publizierte Herrmann in Die Erde elf Beiträge, die sich aus kulturpolitischen Essays sowie aus Rezensionen literarischer und publizistischer Werke zusammensetzten. Dabei bespricht er vor allem Werke, deren Veröffentlichung durch den Krieg behindert oder gänzlich unmöglich gemacht wurden. Die Beiträge für Die Erde ermöglichten es Herrmann, mit einer Essayistik zu experimentieren, in der sich die Programmatik des jeweiligen Publikationsorgans, die Tendenz des besprochenen Werks und sein eigenes humanistisches Pathos zu einem ganz eigenen Tonfall vermischten, so Zupfer. Die Erde habe Herrmann als Sprungbrett in die Hauptstadt gedient, er erprobe darin seine gesellschaftspolitisch engagierte Publizistik. Abschließend werden die Arbeiten des Übersetzerehepaares Hermynia Zur Mühlen und Stefan Isidor Klein hervorgehoben, mit denen Die Erde den Blick für die Transkulturalität innerhalb Mitteleuropas zu schärfen vermag. Stefan Isidor Klein sei in den 1920er Jahren als Übersetzer zu einem der wichtigsten Vermittler der modernen ungarischen Literatur in Deutschland avanciert. Die Erde diene hier als mögliches Sprungbrett für Autoren vom Rand des deutschsprachigen literarischen Feldes und die Übersetzung könne als transkulturelle Vermittlungsleistung zwischen den Akteuren, Gruppen und Zeitschriften der literarischen Moderne in Europa betrachtet werden. Alena Zelená (Prag) skizziert in ihrem Vortrag Oskar Baum und Ernst Sommer als kulturelle Vermittler in der ersten tschechischen Republik, die politischen und kulturellen Beziehungen, Kontakte, Annäherungen und Abgrenzungen zwischen Deutschland und Tschechien in den 1920er und 1930er Jahren und geht vor allem auf die Stellung der deutschen Kultur in der Tschechoslowakei ein. Darauf aufbauend zeigt sie die Rolle der Kritik in der tschechischen Publizistik und die damit einhergehende Beziehung zu Deutschland, die sie anhand ihrer Porträts von Ernst Sommer und Oskar Baum veranschaulicht. So verfasst Sommer zwischen 1928 und 1937 insgesamt 120 Theaterkritiken aus der Provinz des Karlsbader Theaters. Baum arbeitet dagegen ab 1922 vorwiegend in der Hauptstadt Prag als Kritiker für die deutschsprachige Zeitung Prager Presse. Als Musikkritiker richtet er seinen Blick vor allem auf die tschechische Oper. Beiden Kritikern sei gemein, dass sie sowohl aus dem Zentrum als auch aus der Provinz versuchten, d ie Verflechtung der deutschen und der tschechischen Kultur in der Tschechoslowakei herauszuarbeiten. Ihr kulturkritischer Fokus liege dabei auf der Qualität des kulturellen Angebots und nicht auf dessen nationaler Zuschreibung. Für den methodischen Einstieg in seinen Vortrag über Franz Carl Weiskopf als transkulturellen Mittler der Prager Avantgarde in den 1920er Jahren rekurriert Jan Vaclav König (Oldenburg) auf den von Ute Raßloff geprägten Begriff der Interferenz, der Kreuzungs- und Knotenpunkte innerhalb kultureller Räume – zwischen Metropole und Peripherie – umfasst. In der Metropole Prag fokussiert König das Zusammenspiel von jüdischer, deutschsprachiger und tschechischer Gemeinschaft in der Zwischenkriegszeit und nimmt darüber hinaus die Verbindung Prags mit anderen europäischen Metropolen, maßgeblich Berlin, ins Visier. Franz Carl Weiskopf wird von König als Akteur und Mitgestalter der tschechischen Avantgarde vorgestellt, der, mehrsprachig aufgewachsen, am tschechischen und deutschen Literaturdiskurs teilnahm und als transkultureller Mittler und Kritiker angesehen werden kann. Beispielhaft wird je eine Literaturkritik aus den Zeitschriften Avantgarda und Neue Bücherschau diskutiert. In Avantgarda veröffentlichte Weiskopf seinen literaturkritischen Artikel 100% als Provokation des Poetismus – einer tschechoslowakischen Spielart der Avantgarde. In der Zeitschrift Die Neue Bücherschau trete Weiskopf in einem Beitrag über die Junge literarische Avantgarde Europas dagegen als Vermittler zwischen tschechischer und deutscher bzw. einer europäischen Kultur auf, indem er hier die tschechische Avantgarde im europäischen Kontext positioniere. Zsuzsa Bognár (Budapest) stellt in ihrem Vortrag den Essayisten und Kritiker Ludwig Hatvany vor, der ab 1905 in den Zeitschriften Die Zukunft und Die Neue Rundschau publizierte. In ihrem Vortrag konzentriert sie sich auf die in deutschen Zeitschriften erschienenen Essays und Kritiken aus den 1920er und 1930er Jahren wie Die Weltbühne und Die Neue Rundschau . Sie beginnt mit einer literaturhistorischen und kulturwissenschaftlichen Einführung, in der sie die Gespaltenheit der ungarischen Kulturszene um 1900 darstellt: Auf der einen Seite die Vertreter, die für die Bewahrung der nationalkulturellen Eigenheiten kämpften, auf der anderen Seite jene, die sich im künstlerischen Bereich an westlichen Vorbildern orientierten. Hatvany, der der zweiten Gruppe zuzurechnen ist, macht sich zum Anwalt der ungarischen Moderne und tritt als Kulturmanager der Moderne auf. Bognár betont Hatvanys Vermittlungsposition, so auch in Bezug darauf, was Literatur beziehungsweise Literaturkritik leisten müsse: Die moderne Literaur stehe im Dienst eben jener kulturellen Vermittlung und die Kritik unterliege dem Gebot, das Lesepublikum an neue Trends heranzuführen. Als Kritiker sieht Hatvany seine Aufgabe darin, die Kunsterfahrung auf eine Lebensbrauchbarkeit hin zu prüfen. So erhebe er das Leben zum Leitprinzip in der Kunst, woraus folge, dass Kunst und Leben für ihn im Kunstwerk vereint werden sollten. Max Herrmann-Neißes Rolle als Kabarettkritiker und -theoretiker wird von Fabian Wilhelmi (Düsseldorf) in seinem Vortrag Max Herrmann-Neißes Kabarettkritiken und die Debatte um eine ideale Kabarettkunst im Berlin der 1920er Jahre skizziert. Wilhelmi zufolge verfasste Herrmann seine Kritiken vor dem Hintergrund einer eigens entworfenen Vorstellung von einer idealen Kabarettkunst. Anhand von diversen Zitaten aus Herrmanns Bühnenbesprechungen sowie der zu Lebzeiten unpublizierten Schrift Kleine Geschichte des deutschen Kabaretts zeigt Wilhelmi, dass Herrmann in seinen Texten nicht nur als Kritiker, sondern auch als Kabaretttheoretiker und -historiker in Erscheinung tritt. Sein Kabarettideal basiere auf einem politischen, zeitaktuellen und -kritischen sowie erotischen Kabarett, an dem er die aktuellen Programme der massentauglichen, kommerziellen Kabaretts kritisch messe. Herrmanns Kabarettkritiken seien damit Kritiken über als auch für das Kabarett, mit dem Ziel, Impulse zu setzen und die Qualität dieser eigenständigen Kleinkunst zu erhöhen. Anhand der Kritiken zur Neueröffnung des Kabaretts der Komiker zeigt Wilhelmi abschließend Herrmanns Programmatik als Kabarettkritiker, deren Kompromisslosigkeit ihn sein Engagement als ständiger Kabarettkritiker des Berliner Tageblatts kostete. Agnieszka Hudzik (Berlin) vergleicht in ihrem Vortrag Literaturkritik im Exil Alfred Döblins Kleine Schriften und Józef Wittlins Orpheus in der Hölle des 20. Jahrhunderts . Die Autoren verbindet nicht nur die Flucht ins Exil, sondern auch eine Freundschaft sowie das Interesse an den Werken des jeweils anderen; Döblin besprach die deutsche Übersetzung von Wittlins Roman Das Salz der Erde und Wittlin wiederum rezensierte Döblins Werke. Ziel dieser Gegenüberstellung ist es, zu zeigen, dass die im Exil verfasste Literaturkritik in transnationalen Netzwerken entsteht. Beiden Autoren ist gemeinsam, dass sie Literatur und Literaturkritik eng miteinander verknüpften. Sie verstanden ihre essayistischen Rezensionen, die zugleich neben poetologischen Reflexionen auch persönliche Kommentare umfassen, als Teil ihres literarischen Werks. Im Exil reflektierten sie verstärkt über die Kritik als solche, über ihre Maßstäbe und Aufgaben angesichts der politischen Situation. Darüber hinaus setzten sie sich mit dem alten Europa, dessen Literaturkanon und Mythologie auseinander. In ihren Texten konstituiert sich ein neues europäisches Bewusstsein. Juliane Rehnolt (Bautzen) befasst sich in ihrem Vortrag mit sorbischer Literaturkritik, die, in der Moderne noch kaum ausgeprägt, sich erst in der DDR ausbilden konnte und sich aus drei, sich teils überlappenden, Bereichen zusammensetzte: einem ästhetischen, ideologischen und innersorbischen Bereich. Die Besonderheiten und Herausforderungen sorbischer Literaturkritik skizziert sie dabei exemplarisch anhand von zwei Debatten, einer aus dem Jahr 1962 und einer anderen von 1980/1981. Die erste Debatte konzentriert sich auf die Polemik der Literaturübersetzung, die sich an der Anthologie Die Nacht zerbarst am Morgen. Eine Auswahl kleiner sorbischer Prosa entzündet und schließlich in die Frage nach einer angemessenen Literaturkritik mündet. Die zweite Debatte, die in der sorbischen Presse ausgetragen wurde, drehte sich um die 1980 erschienene Erzählung Dótknjenje (Die Berührung) von Angela Stachowa, die darin ein pessimistisches Bild für die Zukunft der sorbischen Kultur entwirft. Während die Erzählung von einigen u.a. auf der Basis von offiziellen literaturpolitischen Positionen verrissen wird, plädieren andere Kritiker für den ästhetischen Eigensinn von Literatur. An diesen Debatten zeige sich, so Rehnolt, welche innersorbisch widerstreitenden Positionen die Akteure im Medium der Literaturkritik verhandeln. Silke Korber

In dubio. Zweifel vor Gericht im Zeitalter der Aufklärung (Münster, 8.-10.2.22)


Rubrik:
Konferenzen, Tagungen
Beginn:
08.02.2022
Beitrag von:
Laura M. Reiling
Forschungsgebiete

Literatur und Recht

Erstellt am:
24.01.2022

Am Sonderforschungsbereich „Recht und Literatur“ findet vom 08. bis 10. Februar 2022 eine hybride Tagung zu den Prozessgeschichten Gayots de Pitaval statt. Anders als bei Kriminal- oder Detektivgeschichten stehen in den Causes célèbres (1734-1743) weder die Tat noch die Ermittlungsarbeit im Mittelpunkt, sondern die Verhandlung vor Gericht. Die Helden der Geschichten sind die Anwälte. Sie treten mit ihrem rhetorischen Geschick und intellektuellem Scharfsinn gegeneinander an. Zielt ein Gerichtsverfahren darauf ab, vernünftige und gegründete Zweifel bei der Feststellung der Sach- und Rechtslage auszuschließen, machen die Anwälte Zweifel produktiv. Er interessiert hier daher als Strategie, als Methode oder als notwendiges Übel, sei es in der juristischen Praxis, sei es bei der literarischen Gestaltung. Denn diese ist davon entlastet, Zweifel final zu minimieren. Anders als der juristischen Urteilsfindung stehen ihr ein offenes Ende und ein unaufgelöstes Nebeneinander der widerstreitenden Perspektiven durchaus zu. Zu ausgewählten Pitavalgeschichten werden je ein rechtshistorischer und ein literaturwissenschaftlicher Vortrag zur gemeinsamen Diskussion gestellt. Es referieren Peter Becker (Wien), Rudolf Behrens (Bochum), Maximilian Bergengruen (Karlsruhe), Julia Bohnengel (Heidelberg), Susanne Düwell (Köln), Ulrich Falk (Mannheim), Florian Jeßberger (Berlin), Arnd Koch (Augsburg), Milan Kuhli (Hamburg), Susanne Lepsius (München), Saskia Lettmaier (Kiel), Kathrin Löhr (Münster), Hans-Jürgen Lüsebrink (Saarbrücken), Christian Meierhofer (Bonn), Michael Niehaus (Hagen), Bodo Pieroth (Münster), Jens Ole Schneider (Jena), Hania Siebenpfeiffer (Marburg), Gideon Stiening (Münster), Christian von Tschilschke (Münster), Alain Wijffels (Leiden), Carsten Zelle (Bochum). Die Leitung liegt bei Eric Achermann, Peter Oestmann und Sebastian Speth. Wir bitten um Voranmeldung an in.dubio-tagung@uni-muenster.de . Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir erst kurzfristig über die Teilnahmebedingungen gemäß den aktuellen Infektionsschutzregeln informieren können. Programm: 8. Februar 2022 9:00–9:15 Uhr Eric Achermann, Peter Oestmann, Sebastian Speth (Münster): Begrüßung 9:15–10:45 Uhr Bodo Pieroth (Münster), Rudolf Behrens (Bochum): Die Marquise de Brinvilliers (Pitaval I,5) 10:45–11:00 Uhr Kaffeepause 11:00–12:30 Uhr Peter Becker (Wien), Christian von Tschilschke (Münster): Der falsche Martin Guerre (Pitaval I,1) 12:30–14:30 Uhr Mittagspause 14:30–16:00 Uhr Gideon Stiening (Münster), Michael Niehaus (Hagen): Peter Mege gibt sich für den Herrn von Caille aus (Pitaval II,1) 16:00–16:15 Uhr Kaffeepause 16:15–17:45 Uhr Susanne Lepsius (München), Kathrin Löhr (Münster): Die Rechtssache des S. Geran (Pitaval I,4) 19:00–20:30 Uhr Hans-Jürgen Lüsebrink (Saarbrücken): Justizaffären im Raum der Öffentlichkeit. Die Causes célèbres im Kontext literarischer und publizistischer Diskurse im Frankreich des 18. Jahrhunderts Öffentlicher Abendvortrag 9. Februar 2022 9:15–10:45 Uhr Ulrich Falk (Mannheim), Jens Ole Schneider (Jena): Die Sache Gottes (Pitaval IV,4) 10:45–11:00 Uhr Kaffeepause 11:00–12:30 Uhr Saskia Lettmaier (Kiel), Christian Meierhofer (Bonn): Die nach dem Tode der Frau für nichtig erklärte Ehe (Pitaval VII,1) 12:30–14:30 Uhr Mittagspause 14:30–16:00 Uhr Benno Zabel (Bonn), Carsten Zelle (Bochum): Historie des Marquis de la Pivardiere (Pitaval III,1) 16:00–16:15 Uhr Kaffeepause 16:15–17:45 Uhr Milan Kuhli (Hamburg), Maximilian Bergengruen (Karlsruhe): Der auf Anzeigen unschuldig Verurteilte le Brun (Pitaval III,4) 10. Februar 2022 9:15–10:45 Uhr Alain Wijffels (Leiden), Julia Bohnengel (Heidelberg): Geschichte der Marquise von Gange (Pitaval V,5) 10:45–11:00 Uhr Kaffeepause 11:00–12:30 Uhr Arnd Koch (Augsburg), Hania Siebenpfeiffer (Marburg): Geschichte des Urbain Grandier (Pitaval II,2) 12:30–12:45 Uhr Kaffeepause 12:45–14:15 Uhr Florian Jeßberger (Berlin), Susanne Düwell (Köln): Die gestraften Richter von Mantes (Pitaval IV,3) 14:15–15:00 Uhr Verabschiedung/Abschluss der Tagung