Rubrik:
Konferenzen, Tagungen
19.10.2022
Elisa Ronzheimer
05.10.2022
Personalpronomen: Ansätze einer interdisziplinären Grammatik der Person Arbeitsgemeinschaft am Zentrum für interdisziplinäre Forschung, Universität Bielefeld veranstaltet von Mona Körte, Elisa Ronzheimer, Sebastian Schönbeck 19.-20.10.2022 Wie setzt sich ein „ich“ zusammen, wen schließt ein „wir“ ein oder aus, und wie richtet „es“ sich an ein „du“ oder „Sie“? Keine andere Wortgruppe findet in gesellschaftspolitischen Diskussionen derzeit so viel Beachtung wie die Personalpronomen, denn mit ihnen steht der angemessene Ausdruck unterschiedlicher Identitätskonzepte auf dem Spiel. Wenig Aufmerksamkeit erfährt indes der mögliche Beitrag verschiedener wissenschaftlicher Disziplinen zu den mitunter hitzig geführten Debatten. Hier setzt der geplante Workshop an: bei der Historisierung, Erweiterung und Vervielfältigung der Perspektiven auf den Einsatz von Personalpronomen. Während Konstruktionen und Theorien der Personalität in unterschiedlichen disziplinären Feldern wie der Anthropologie, der Soziologie, der Psychologie und Philosophie, in den Gender Studies und der Literatur- und Kulturwissenschaft breit erforscht sind, wurde die Frage der pronominalen Repräsentation der Person – wie sie sich etwa im Recht und in der Bürokratie, im Labor oder auf der Bühne stellt – bislang wenig reflektiert. Sie rückt ins Zentrum der Arbeitsgemeinschaft, die anregt zum Austausch über disziplinär verschiedene Konzeptualisierungen der Beziehung zwischen Person und Pronomen. Wie hat sich der Gebrauch von Personalpronomen historisch verändert, was lassen die Pronomen zu und wo liegen ihre Grenzen? Wie bildet sich ihre Bedeutung und Referenz, in welchem Maße konstituieren sie Personalität? Wie lässt sich mit dem unauflöslichen Widerstreit zwischen allgemeiner grammatischer Struktur und ihrer Singularisierung im Pronomen umgehen? Inwieweit sind pronominale Stellvertreter als fest und unveränderlich zu begreifen oder aber als offen für Transformation? Die Arbeitsgemeinschaft versammelt Forschende aus Literaturwissenschaft, Linguistik, Philosophie, Soziologie und Tierethik zu einem interdisziplinären Austausch über den Stellenwert der Pronomen in der sprachlichen Konstruktion und Ordnung sozialer und kultureller Wirklichkeiten. Programm Mittwoch, 19. Oktober I. Friktionen 09.00-09.30 Einführung 09.30-11.30 Prof. Dr. Horst Simon: F(r)iktionen mit Pronomen Prof. Dr. Lore Benz: Pronominale Repräsentation und Konstruktion von Personalität und Identität in der römisch-antiken Lebenswelt 11.30-12.00 Kaffeepause 12.00-13.00 Dr. Georg Toepfer: Pronoun Trouble. Der Plural im Singular und das Weibliche im Männlichen der Personalpronomen in Tierenzyklopädien seit der Antike 13.00-14.00 Mittagessen II. Shifter 14.00-16.00 Dr. Dr. Kerstin Weich: „Sie verkäsen und verkalken“. Pronomen der Parasiten Dr. Erik Martin: Shifter und Shape shifter: Eindeutige Pronomen bei uneindeutigen Nomen in Viktor Pelevins ‚Das Leben der Insekten‘ (1993) 16.00-16.30 Kaffeepause 16.30-18.30 Dr. Esther von der Osten: Pronomenwandel bei Cixous Prof. Dr. Karl-Josef Pazzini: Ein passagères Wir. Zu Freuds Übertragungskonzept 19.30 Lesung und Werkstattgespräch mit Marcel Beyer: Ichverzicht im Roman Donnerstag, 20.10. III. Markierungen 9.00-11.00 Prof. Dr. Tomke König: Was haben Pronomen mit Identitäten zu tun? Zum Zusammenhang von Sprache, Körper und Geschlecht Prof. Dr. Joachim Fischer: Zur Sozialtheorie des ‚Systems der Personalpronomen‘ – unter Berücksichtigung der dritten Person 11.00-11.30 Kaffeepause 11.30-12.30 Prof. Dr. Evelyn Ziegler: Stancetaking und Positionierung. Zur Rolle von Pronomen im Kontext von Spracheinstellungsäußerungen zu Mehrsprachigkeit und Integration 12.30-13.30 Mittagessen IV. Adressierungen 13.30-15.30 Dr. Emmanuelle Prak-Derrington: Polyphonie und Mehrfachadressierung: ich und Du im fiktionalen Erzählen Prof. Dr. Ulrike Schneider: Pronominale Architekturen. Der nouveau roman und die Folgen 15.30-16.00 Kaffeepause 16.00-18.00 Dr. Heide Volkening: Das Mädchen und seine Pronomen. Über Esther Beckers „Wie die Gorillas“ und Teresa Präauers „Mädchen“ Anna Lenz: „ich schrieb bevor ich dachte“ – Sprachflächen weiblicher Autorschaft bei Elfriede Jelinek